NSA von Andreas Eschbach [Rezension/Werbung]




Genre: Roman
Seitenanzahl: 795
Preis: 12,90€ [D] 13,30€ [A]
Verlag: Lübbe
Erscheinungsdatum: 28.02.2020

Inhalt:

Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Letke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet.

Meine Meinung:

Mich hat die Idee fasziniert, ich wollte mir gar nicht ausmalen, was alles möglich gewesen wäre, hätte es das damals Internet schon gegeben. Andreas Eschbach schreibt das alles so, als wäre es wirklich passiert und es ist erschreckend zu sehen, was diese Technologie für Möglichkeiten geschaffen, was man mit dem Wissen über unbewusst/bewusst hinterlassene Spuren tun, sowie anrichten hätte können. Ich habe das Buch oft kurz zur Seite legen müssen, um mich daran zu erinnern, das ich hier eine fiktive Geschichte lese und das 1942 nicht so passiert ist. Während des Lesens hatte ich oft eine Gänsehaut, weil alles so real war. Ich hatte das Gefühl, ich wäre in dem Buch gemeinsam mit Helena in Weimar 1942 im NSA.

So sehr ich Helene mochte, so sehr habe ich Letke verabscheut. Er war mir nicht direkt unsympathisch, aber er war mir auch nicht der liebste Charakter. Zeitweise habe ich ihn verstanden und konnte mir denken, was er mit gewissen Dingen bezwecken will, aber das, was er getan hat und wie er mit seinen Mitmenschen umgegangen ist, war einfach zum Kotzen. Er war interessant, denn er hatte auch bestimmt eine sehr interessante Persönlichkeit, aber menschlich gesehen war er Abschaum.

Die Geschichte ging für mich ein wenig bergab, als ihre „große Liebe“ ins Spiel kommt, denn mir ging das zu schnell. Ich verstehe, dass man Menschen helfen will, egal ob man sie nun kennt oder nicht, ob man sie liebt oder hasst. Wenn man weiß was auf dem Spiel stand für Fahnenflüchtige, Juden, Gegner und nicht ins Weltbild-Passende, ist mir ganz klar, das man helfen will wo man kann, aber mir gingen die Gefühle zwischen Helene und ihrem Freund zu schnell. Das Gefühl von Liebe muss sich entwickeln und passiert definitiv nicht beim ersten Mal sehen. Da bin ich höchstens verliebt, aber von Liebe zu sprechen ist meiner Meinung nach ein wenig frech. Für mich war nicht ganz greifbar, warum das jetzt von beiden Seiten in diesem Tempo entstanden ist.

Lässt man den Aspekt der Liebe mit ihrem „Freund“ weg, fand ich das Buch absolut spitze. Natürlich kann ich heute viele Dinge nicht mehr zu 100 % nachvollziehen. Wie sah das damals mit Rationierungen, mit dem Heiraten, und so weiter? Es wird Einem nicht alles in Dokumentationen erzählt und ich gebe zu, ich habe meine Urgroßmutter ein paar Dinge gefragt, um herauszufinden, ob das damals wirklich so war oder ob sich der Autor das ausgedacht hat. Es war schon sehr interessant das mal vor Augen geführt zu bekommen, wie viel man eigentlich mit unseren Daten anstellen könnte… und wahrscheinlich auch tut. Alles was wir tun, egal was, es ist nachvollziehbar. Durch GPS, Kartenzahlung, Überwachungssysteme, und so weiter. Es ist erschreckend, sich vorzustellen, was man damals hätte anrichten können mit all diesen Daten. Mich hat das Buch begeistert, gefangen genommen und nicht mehr losgelassen und ich werde sicher gedanklich noch öfter mit Helene am Schreibtisch im NSA sitzen.

Kurz und knapp:

Das Buch regt zum Nachdenken an, es ist erschreckend und faszinierend zugleich, was man mit all der Information hätte anstellen können. Ich bin in die Geschichte versunken und das Buch hat mich nicht mehr losgelassen. Oft habe ich Fiktion und Realität durcheinandergebracht, weil alles so real wirkte. Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war die Beziehung zwischen Helene und ihrem Freund, denn mir ging das alles viel zu schnell und war für mich nicht ganz greifbar.

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