Jene Nacht ist unser Schatten von Amy Giles [Rezension/Werbung]




Genre: Jugendbuch
Seitenanzahl: 378
Preis: 10,00€ (D) & 10,30€ (A)
Erscheinungsdatum: 8.März.2021
Verlag: cbt


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Inhalt:

Als Jess und Lucas sich begegnen, reißen in beiden alte, nie richtig verheilte Wunden wieder auf. Vor einem Jahr haben beide ihre Brüder bei einer Massenschießerei im Kino verloren. Ein Jahr später treffen sie aufeinander und versuchen beide irgendwie mit dem traumatischen Ereignis fertig zu werden. Lucas wird von seinen Eltern vor Sorge fast erdrückt. Jess dagegen ist auf sich alleine gestellt, denn ihre Mutter ist in eine tiefe Depression verfallen. Die beiden spüren eine gewisse Anziehung, doch kann aus Freundschaft mehr werden, wenn sie sich doch ständig an das schreckliche Ereignis erinnern? Und haben sie als Überlebende überhaupt ein Recht auf Glück und Liebe?

Meine Meinung:

Ich liebe Jugendbücher mit solchen Themen. Ich lese sie unheimlich gerne, nur leider gibt es nicht so vieles, was ich noch nicht gelesen habe in diesem Bereich. Umso mehr habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Leider war es nicht so wirklich mein Fall. Es war nicht schlecht, aber auch nicht das, was ich mir gewünscht oder erwartet hatte.

Diese Massenschießerei nimmt im Buch nur sehr wenig Platz sein, der Leser erfährt zwar kurz einige wichtige Details, aber dann war es das auch schon wieder. Es ist fast so, als würde weder Jess noch Lucas daran denken, als gäbe es da keine schrecklichen Bilder um Kopf und das kann ich mir fast nicht vorstellen. Allgemein war mir das Buch zu „oberflächig“. Auf fast 400 Seiten hätte man so viel mehr in die Tiefe gehen können, hätte die Traumata ausarbeiten können, aber all das würde hier nicht so wirklich gemacht. Wobei Lucas ein wenig „mehr betroffen“ rüber kommt als Jess. Denn es gibt in diesem Buch eine Szene, die ich wirklich gut finde, die zeigt, wie traumatisiert Lucas ist. Bei Jess blieb das leider aus. Natürlich, man könnte jetzt sagen, das liegt daran, weil ihre Mutter sie im Stich lässt und Jess somit viel mehr Verantwortung hat, als sie haben sollte. Jedoch gibt es trotzdem „ruhige“ Momente, wie abends im Bett, wo etwas hochkommen kann. Das sie nicht schlafen lässt und so weiter. Doch all das passiert nicht so wirklich.

Die Autorin hat den Fokus hier ganz klar eher auf die „Liebesgeschichte“ und nicht auf das Trauma gelegt. Ich hätte es anders herum besser gefunden, die Liebesgeschichte hätte nebenbei laufen können, das wäre bestimmt auch möglich gewesen. Was ich aber wirklich gut finde, ist das Amy Giles hier nicht versucht, den Lesern weiszumachen, dass liebe alles heilen kann, sondern eine Situation verbessern kann. Das finde ich sehr wichtig, denn Menschen können sich helfen, füreinander da sein, aber kein Mensch (Freunde, Familie…) kann ein Trauma „wegzaubern“ oder eine Krankheit (egal ob psychisch oder physisch) „heilen“.

In der Geschichte hat man fast immer beide „extreme“. Lucas, der von seinen Eltern vor Sorge erdrückt wird, Jess, die sich alleine gelassen fühlt, weil ihre Mutter schwerst depressiv ist. Lucas, der in meinen Augen mehr Trauma „zeigt, Jess, die fast gar nicht traumatisiert wirkt. Lucas, in den ich mich sehr gut hineinversetzen konnte, Jess, mit der ich nur so halb warm wurde. Daher finde ich es sehr gut, dass die Geschichte aus beiden Sichten erzählt wird, denn so können wir in das Denken und Fühlen der beiden Charaktere eintauchen, sie besser verstehen und mitfühlen. Jess blieb für mich leider eher „kühl“, ich konnte keine wirkliche Verbindung aufbauen zu ihr. Zu Lucas hingegen konnte ich eine Bindung aufbauen, konnte mit ihm mitfühlen, habe ihn und seine Gedanken zum größten Teil verstanden.

Ich bin also etwas im Zwiespalt mit mir selbst, auf der einen Seite ist da Lucas, der mir als Charakter sehr gut gefallen hat und dessen eigene Geschichte einfach „besser“ war, auf der anderen Seite ist da Jess, mit der ich nicht richtig warm wurde und dir mir irgendwie zu „oberflächlich“ blieb. An und für sich habe ich das Buch gerne gelesen und habe die beiden ein Stück auf ihrem Weg begleitet. Das Buch war also nicht schlecht, aber einfach nicht so richtig, mein Fall.

Kurz und Knapp:

Im Großen und Ganzen fand ich das Buch nicht schlecht, jedoch war es mir ein wenig zu oberflächlich, gerade was Jess betraf. Mit ihr wurde ich nicht richtig warm und auch ihre eigene Geschichte war für mich zu sehr „an der Oberfläche kratzen“. Lucas hingegen war in meinen Augen sehr gut ausgearbeitet, gerade was sein Trauma angeht. Ihn habe ich verstanden, mit ihm konnte ich mitfühlen. Die Autorin hat hier den Fokus ganz klar auf die Liebesgeschichte und nicht das Trauma gelegt. Ich hätte es anders herum besser gefunden.

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