Werbung
April 26

Dunkel von Ragnar Jónasson [Rezension/Werbung]




Genre: Thriller
Seitenanzahl: 365
Reihe: 1 von 3
Preis: 15,00€ [D] 15,50€ [A]
Erscheinungsdatum: 25.5.2020
Verlag: btb






Inhalt:

Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík wird unfreiwillig bald in den Ruhestand versetzt, um Platz zu machen für einen jüngeren Kollegen. Sie darf sich einen Letzten Cold Case fall aussuchen. Hulda entscheidet sich für den Fall einer jungen Russin, die tot aufgefunden wurde. Doch umso tiefer sie gräbt, desto mehr geratet sie in Gefahr.

Meine Meinung:

Ich fand es interessant, das wir hier den letzten Fall von Hulda lesen und mit Band 2 und 3 in die Vergangenheit gehen. Die Idee fand ich mutig, denn man muss das Buch ganz anders schreiben, das, was man eigentlich am Anfang schreibt, gehört nun ans Ende. Diese Erzählform hat mich neugierig gemacht. Ich wurde nicht enttäuscht, es ist zwar kein Highlight, aber dieser Thriller war wirklich fesselnd. Wobei ich es nicht Thriller nennen würde, sondern eher Krimi oder Spannungsroman.

Im Buch haben wir drei Handlungsstränge, einmal die Ermittlungen von Hulda, dann eine Erzählung von „einer Mutter“ und so etwas wie eine weitere Geschichte. (Ich möchte auch nicht zu viel verraten, daher drücke ich mich sehr wage aus.) Diese Handlungsstränge haben aber alle keine wirkliche Spannung. Es gab keine Wendungen, die mich überrascht oder aus den Socken gehauen hätte. Trotzdem hatte das Buch etwas an sich, das mich dazu veranlasst hat, es an einem Tag zu verschlingen. Sobald ich das Buch in die Hand genommen habe, konnte ich es nicht mehr weg lesen. Ich hab die Geschichte auf zwei Etappen gelesen, die erste Hälfte am Vormittag und die zweite am Abend. Es hat mich so gefesselt, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte, obwohl mir die Augen schon zufielen. Erst als ich die Letzte Seite gelesen habe und schockiert zurückgelassen wurde, konnte ich schlafen gehen.

Bis auf Hulda und einen ihrer Freunde waren alle Charaktere eher blass. Sie bekamen keine Farbe, waren nicht greifbar und einfach nur da. Das fand ich aber nicht unbedingt schlecht, denn die meiste Zeit geht es nur um Hulda und ihre Ermittlungen. Alle anderen Figuren wirkten auf mich eher wie Statisten, die man braucht, damit die Geschichte funktioniert und rund wird, die aber eigentlich keine wirkliche Rolle oder Aufgabe haben. Auch Hulda fand ich manchmal echt nervig und hätte sie am liebsten Mal ganz fest geschüttelt, das sie mal zu Verstand kommt. Auf der einen Seite wollte sie diesen Fall unbedingt und will noch nicht in Rente gehen, auf der anderen Seite will sie das endlich alles abschließen und in Rente gehen. Ich war verwirrt und wusste nicht, was sie denn jetzt möchte. Außerdem ist sie einer dieser „typischen“ gebrochenen Polizisten. Ich habe viele Thriller gelesen mit einem Polizisten, der ein Alkoholproblem hatte, gebrochen war und so weiter. Aber hier war es seltsam. Ich verstand irgendwo, warum sie gebrochen war, aber auch nicht so richtig. Oft habe ich nicht verstanden, warum sie nicht in der Lage ist, Kontakte zu knüpfen oder warum sie sich jetzt so benimmt, wie sie es tut. Vieles davon war zwar realistisch, also so das ich sagen könnte, das hätte auch im echten Leben passiert sein können, doch hier war es irgendwie komisch und fehl am Platz. Und trotz all dem war mir Hulda trotzdem sympathisch.

Die Insel war aber ein perfekter Ort, um diese Geschichte zu erzählen. Es kam kein Entkommen. Man steckte quasi dort fest. Es gäbe das Flugzeug und das Wasser, über das man flüchten könnte. Soweit ich das aber verstanden habe, ist wohl beides nicht so einfach. Es war also sehr atmosphärisch und dicht. Diese Melancholie und Schwermut lag in der Luft und das habe ich gefühlt. Den Schreibstil fand ich auch sehr gut. Leicht, flüssig, keine Begriffe aus dem Polizeiberuf, die man nicht verstehen würde, nichts Hochtrabendes. Der Autor hat genauso viel Worte benutzt wie nötig, nicht zu viele und nicht zu wenige.

Das klingt jetzt alles so negativ, keine Spannung, blasse Charaktere, nervige Protagonistin, doch trotzdem war es für mich ein Hammer Thriller. Man darf mich nicht fragen, wie das geht, warum das so ist. Aber ich wollte trotzdem wissen, was mit Hulda passiert, wollte sie auf ihren Weg begleiten. Ich wollte wissen, was mit der jungen Russin passiert ist und wer der Täter war. Dieses Buch hatte etwas so Einnehmendes, Fesselndes an sich, das ich gar nicht beschreiben kann. Das Ende war dafür aber eine Überraschung. Lasst euch bloß nicht spoilern auf dieses Ende! Das hat mich umgehauen und ich saß da Warum? Was? Das ist ein Scherz oder?

Kurz und Knapp:

Die Art, diese Geschichte zu erzählen, fand ich sehr interessant. Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, so kam es das ich „Dunkel“ in einem Tag durchhatte. Das Buch hat drei Handlungsstränge, aber keiner davon ist wirklich spannend. Es gab keine Wendungen, die mich überrascht hätten. Die Charaktere waren bis auf Hulda, alle sehr blass, nicht zu greifen und nur nebenbei erwähnt. Hulda war für mich eine schwierige Protagonistin, oft hat sie mich aufgeregt, oft hat sie mich genervt, trotzdem war sie sympathisch. Die Insel war ein sehr gut gewählter Ort für diese Geschichte. Dadurch wurde es sehr atmosphärisch und dicht. Der Schreibstil ist leicht, einfach, flüssig, keine Worte über die man stolpert, nichts, was man nicht versteht.


Copyright 2021. All rights reserved.

VeröffentlichtApril 26, 2021 von Sabine in Kategorie "Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.