Die Frauen von Kopenhagen von Gertrud Tinning [Rezension/Werbung (Rezensionsexemplar)]




Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 443
Preis: 16,00€ [D] 16,50€ [A]
Erscheinungsdatum: 26. April. 2021
Verlag: Diana
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Inhalt:

Kopenhagen 1885: Nelly und ihre Schwägerin Marie arbeiten zusammen in einer Weberei. Es kommt zu einem Unfall, bei dem Marie schwer verletzt wird und innerhalb der nächsten Tage im Krankenhaus ihren Verletzungen erliegt. Nelly wendet sich an Firmenleitung, doch die möchten nichts davon hören. Völlig unerwartet trifft Nelly auf ihren Nachbarn Johannes, einen Bauern aus dem Jütland, und verliebt sich in ihn.
Gleichzeitg in Jütland: Anna, Johannes jüngere Schwester, soll einen reichen Bauern heraiten und damit den untergang der Familie verhindern. Doch Anna hat andere Pläne. Über Umwege erfährt sie das ihr Bruder in Koppenhagen in großen Schwierigkeiten steckt und nutzt diese Chance. Sie eilt ihrem Bruder zu hilfe und muss dabei die schlimmen Zustände in Kopenhagen miterleben. Furchtlos nimmt sie den Kampf für die Frauen auf.

Meine Meinung:

Mit diesem Buch hatte ich ein paar Schwierigkeiten. Zum einen habe ich mir eher etwas erwartet, was mit der Frauenbewegung zu tun hat. Doch das kam sehr kurz und wurde auch nicht richtig angeschnitten. Dennoch wird die Zeit und alles drum herum perfekt eingefangen. Frauen die für wenig Geld stundenlang hart abreiten gehen, um sich und ihre Familie zu ernähren. Die Arbeitsbedingungen, die Schwierigkeiten der Arbeitsklassen und all das wurde sehr gut erzählt und in die Geschichte mit eingewebt. Natürlich durch diesen Unfall, den Marie erleidet, wird das ganze auch noch etwas spannend, denn dieser Unfall hat viele Folgen und es wird immer dichter.

Was ich allerdings auch ansprechen möchte, ist das wir mitten in der Geschichte einen kompletten Wechsel der Erzählung haben. So ungefähr auf Seite hundert wechseln wir vom Land aufs Dorf und zu einer anderen Protagonistin. Das fand ich sehr schade, weil Anna nur indirekt etwas mit diesem Geschehen zu tun hatte. Ich hätte das gerne anders gelöst gehabt, denn man schließt Marie und Nelly ins Herz und dann taucht Anna auf. Anna war durchaus sympathisch, gar keine Frage, aber nicht das, womit ich gerechnet habe. Laut Klappentext dachte ich eher, dass sie eine weitere Protagonistin wird. Ehrlich gesagt hat mich das schon sehr aus der Bahn geworfen und genervt. Man gewöhnt sich gerade an Protagonisten, kommt in die Geschichte und dann ändert sich plötzlich alles und man muss sich an neue Personen gewöhnen, neue Umstände und so weiter. Es war trotzdem gut! Sobald ich mich an Anna und ihre Umstände gewöhnt habe und warm wurde mit ihr war es in Ordnung und wirklich gut, aber am Anfang hat es mich eher gestört.

Das Buch hatte auf mich keine Anziehkraft. Ich saß abends nicht am Sofa und dachte, ich könnte jetzt aber noch 50 Seiten in dem Buch lesen. Ich saß da und dachte an 100 andere Bücher, die im Regal stehen und die ich lesen möchte. Wenn ich aber zu diesem Buch gegriffen habe, dann habe ich es eingeatmet. Da waren dann an einem Abend 200 Seiten weg gelesen. Ich saß ewig an diesem Buch, was aber nur daran lag, das ich keine Lust verspürt, es zu lesen. Der Monat war nicht der beste dieses Jahr und ich weiß daher nicht, ob es nicht eher an mir lag als am Buch. Erwähnen wollte ich es trotzdem.

Kurz noch mal zu den Charakteren, Nelly und Marie waren besonders. Sie hatten eine eigene Dynamik und die Folgen nach dem Unfall waren für Nelly gravierend. Nachdem wir aber zu Anna wechseln, erfahren wir nie wieder, wie es mit diesen Folgen/Problemen weiterging. Das hätte ich gerne noch aufgelöst gehabt. Johannes kam mir irgendwie zu kurz. Ich hätte gerne mehr über und mit ihm erfahren. Er hatte mir zu wenige Auftritte in diesem Buch. Aber alles in allem waren alle Charaktere sehr sympathisch und ich kam gut mit ihnen aus. Allerdings hat Anna für mich eine Charakterentwicklung gemacht, die ich nicht zu 100 % nachvollziehen konnte. Mir ging das zu schnell, es wurde zu wenig darauf eingegangen, zumindest für mich.

Aber die Geschichte an sich fand ich klasse. Ich hab es geliebt, in diese Zeit hineingezogen zu werden und zu sehen, wie es damals war. Wie schrecklich die Arbeitsbedingungen waren, wie schrecklich die Zustände waren. Diese ganze Atmosphäre von Dänemark und Jütland. Ich habe Anna als starke Figur geliebt. Sie hat sich nie unterkriegen lassen, hat immer weiter gekämpft, nicht aufgegeben, egal wie aussichtslos es erschien. Diese „Ermittlungen“, die immer spannender und Nervenaufreibender werden, die immer mehr Sinn ergeben und man so langsam mit Anna auf die Lösung kommt. Der Schreibstil der Autorin war eher leicht und flüssig. Ich hatte absolut keine Probleme beim lesen, ich war sofort im Buch.

Kurz und Knapp:

Die Geschichte an sich hat mir sehr gut gefallen. Ich habe gerne mehr über die Arbeitsbedingungen und das Leben als Frau in dieser Zeit erfahren. Das hat die Autorin sehr gut erzählt und wirklich bildlich dargestellt, wie schrecklich es damals zuging. Die Charaktere waren für mich alle sehr sympathisch. Johannes kam mir nur leider zu kurz. Anna mochte ich besonders gern, weil sie eine Kämpferin war, sie hat nicht aufgegeben, sie hat immer weiter gekämpft. Leider war der Anfang für mich etwas kompliziert. Weil es mich schon sehr genervt hat, dass wir nur ungefähr 100 Seiten direkt mit Nelly und Marie zu tun haben und dann ganz zu Anna übergehen. Außerdem hatte ich ein wenig mehr Frauenbewegung erwartet und weniger „drum herum“, aber es war am Ende gut so wie es war.

Ich möchte mich nochmal herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken! Natürlich hat dies keinen Einfluss auf meine Meinung oder sonstiges.

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